Spottlight #43 Nach dem Album ist vor dem Album (Teil 1)

Dieses SL kommt jetzt mal als Fortsetzungstext, damit er nicht zu lang wird. Im ersten Teil beschäftige ich mich mit den Nachwehen des Duett-Albums, der Promo dazu, und einigen in Bad Driburg eruierten News.  Der zweite Teil geht dann etwas gründlicher auf da Bad Driburger RZ-Set ein.

Mich hätte “Ich bin” sowieso nicht erschrecken können. Für mich ist das Projekt aus absatzpolitischer Sicht eine interessante Idee. Im Hinblick darauf wurde sie auch zielsicher umgesetzt.

Ein Album für Fans kann “Ich bin” aber nicht sein. Fast alle Songs kennen wir zur Genüge, die Neueinspielungen waren nicht gerade als schrägere Versionen zu erwarten, und die meisten Mitstreiter stehen auch nicht gerade für Prog, Punk und Avangarde.

Der Vertrieb ist auch etwas irritierend. Eine Metro-Kette und ein Internetwarenhaus bekamen jeweils eine Exklusivversion, alle Anderen vertreiben neben der “normalen” CD noch eine den Namen nicht verdienende limitierte Edition, die lediglich im Pappschuber kommt, sonst aber der normalen Edition entspricht. Dass ein Downloadanbietere zu allem überfluss noch einen Bonussong anbietet, der auf keiner der zahlreichen physischen Versionen enthalten ist, darf man mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen. Das dann auch noch bei zwei Händlern zweitweise im Vorraus „Import-Versionen“ gelsiet wurden, durfte man für einen unfreiwilligen Witz halten.

Zum Album selbst finden wir im Forum ausreichend ausführliche Kommentare, die sich weitgehend in Einigkeit üben, allen voran ein ganz starkes Hörprotokoll von Martin. Da muss ich meinen Senf nicht auch noch dazugeben. Ich habe mir “Ich bin” drei Mal ausführlich angehört, und werde sie so schnell nicht mehr aus dem Schrank holen. Das Teil, welches übriges in der Vinyl-Auflage optisch durchaus was hermacht, hat mich keinesfalls enttäuscht. Aber, und vielleicht ist das sogar unschmeichelhafter, es langweilt mich. Und Langeweile kann dann nicht enttäuschen, wenn man sie erwartet hatte.

Klar hätte man diese Idee auch fangerecht umsetzen können. Andere Songs auswählen, schräge Arrangements, schrillere Duettpartner. Aber wer hätte denn “Nicht mal das”, gesungen mit Olli Schulz, außer ein paar Eingeweihten kaufen sollen? Und hätten Sven Regener, Markus Wiebusch, Marco Glühmann oder Yogi Lang überhaupt Bock gehabt, da mitzumachen?

Nee nee, das Konzept ist schon in Ordnung. Heinz wäre selbst gar nicht auf den Gedanken zu diesem Album gekommen, und wenn er das schon durchzieht, dann auch mit aller lästiger Konsequenz, die einen vernünftigen Absatz ermöglicht. Und wenn die im Forum kursierende Charteinstiegsnotierung #12 tatsächlich stimmt, dann wäre das für Anfang März noch ungleich erfolgreicher als die Einstiege der letzten Alben zum Jahresanfang.

Auch in Bad Driburg wurden Wolli die “Ich bin”-CDs beim Merch übrigens aus den Händen gerissen und waren in der Pause bereits vergriffen.  Auch für DGDS gab es in Bad Driburg noch Bedarf.

Apropos Bad Driburg. Über das Konzert und die darin enthaltenen neuen Songs gibt es ja beizeiten noch Infos. Interessant sind aber auch die neuesten Veränderungen. Zunächst mal ist da die VÖ des Räuberzivil-Albums. Ich bekam einen ziemlichen Schreck, als eine Dame beim Merch nach einem Tonträger fragte, wo denn “Das Pony” drauf sei, und Wolli ihr antwortete, der erscheine erst im September. Tatsächlich müssen wir jetzt noch ein halbes Jahr warten, was angesichts der Tatsache, dass die Platte ja fertig daliegt,  zunächst mal schwer einzusehen ist.  Sinn macht es bei näherer Betrachtung aber natürlich trotzdem, wie auch im Forum schon der Eine oder Andere festgestellt hat.

Die Band soll, wenn es denn nicht auch hier wieder Verwerfungen gibt, im nächsten Frühjahr das neue Album einspielen, welches diesmal dann im Herbst erscheint. Und im Spätherbst 2013 soll dann auch damit getourt werden. Wie schon vermeldet, bei Carsten Jahnke, womit sich mal wieder ein Kreis schließt. Für den inzwischen fünfundsiebzigjährigen Jahnke und Heinz war das wohl eine Art Herzensangelegenheit, zumal die “Mißverständnisse” mit MaWi wohl einige Unebenheiten auf der Wegstrecke hinterlassen hatten. Einflussnahme des Veranstalters auf die Setliste wird es jedenfalls auch in Zukunft bei Heinz nicht geben.

Noch mal zu “Ich bin”. Heinz ist übrigens in Sachen Promotion mit Unterbrechungen die vierte Woche unterwegs. Teilweise standen an einem einzigen Tag bis zu drei Sendetermine im Hörfunk auf dem Programm. Auf Einiges wurde im Forum verlinkt, und aus Sicht des langjährigen HRK-Fans ist die qualitative Spannbreite der Sendungen sehr weit gefasst. Ich z.B. habe mir Inka Bause erspart, obwohl sich daraus sicher toller Stoff für diesen Text ergeben hätte. Inka Bause zu boykottieren, halte ich aber auch für ein Statement.

Natürlich war die Auswahl der besuchten Sendungen auch auf das Produkt abgestimmt. Und das war für Heinz nicht so einfach, weil der meist limitierte Fragenkatalog der Moderatoren wenig Spielraum für innovative Gespräche lässt. Stellenweise muss es ziemlich schlimm gewesen sein.

Bevor ich ins Funkhaus zurückgebe, noch einen Schwank aus Bad Driburg, wo ein Wartender vor dem Einlass einem Anderen die Veranstaltung schmackhaft machen wollte: “Kunze, den musst Du doch kennen. Der hat schon Musik für Schimanski gemacht.”

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