Spottlight #34 Showdown in Itzehoe (Teil 3) – Das Chaoskonzert

Es wird für diesen dritten und letzten Teil der Itzehoe-Triologie evt. nötig sein, sich die ersten beiden Teile ins Gedächnis zu rufen, weil einige Infos aus den Texten zum besseren Verständnis der folgenden Geschehnisse beitragen. Wir sind also noch am Anfang des eigentlichen und wesentlichen Wohnzimmerkonzertes, und werden nun Zeuge einer ungewöhnlichen Veranstaltung, die mit für Künstler eher ungekannten Unterbrechungen zu kämpfen haben sollte. Zunächst, zu Beginn des zweiten Titels, durch die Haustürklingel.

Der Hausherr kämpfte sich aus dem überfüllten Raum, ging zur Tür, und wurde von seinem schräg gegenüber wohnenden Nachbarn Uwe Heinrichs regelrecht überlaufen. Dieser schimpfte lautstark auf dem Flur herum, da stehe ein Ü-Wagen des NDR vor seiner Einfahrt, und er käme nicht in seine Garage. Im Wohnzimmer entstand Heiterkeit, Heinz hörte auf zu singen, und auch Wolli und Hajo brachen den Song ab. Mühevoll wurde der Nachbar davon überzeugt dass man das NDR-Gefährt jetzt nicht entfernen könne, und das er doch bitte an der Matjestheke in der Küche Platz nehmen und sich verköstigen möge.

Im Wohnzimmer scherzte Heinz, sowas sei ihm noch nie passiert, und der Song wurde erneut angestimmt, und in einer wunderbaren Version vorgetragen. Ohne Pause folgte ein direkter Übergang in das dritte Stück des Abends, „Liebe ist Zärtlichkeit“, das zum absolut allererst Mal live gespielt wurde. Leider nur eine halbe Minute. Es klingelte nämlich erneut.

Draussen stand ein Pizzaboote und erklärte „Mandarinenpizza für Herrn Hoffmann“.

Die Musiker hatten diesmal bereits beim Ertönen der Klingel aufgehört zu spielen, und vor allem Heinz schaute nicht mehr ganz so fröhlich, als man die Pizza tatsächlich auf die Bühne servierte, Hajo sogar hineinbiss, um dann entsetzt fragte was das denn für ein haarsträubender Belag sei. Als man ihm erklärte, das Manderinen im hohen Norden ein beliebter Pizzabelag seien, probierte er ein zweites Mal und bat dann um Entsorgung dieser Scheusslichkeit.

Das Konzert setze fort, und der Gastgeber setzte Heinz seine Idee um, doch bitte die Klingel abzustellen, damit man mal etwas voran käme. Auf einen weiteren Versuch von „Liebe ist Zärtlichkeit“ wurde verzichtet, und stattdessen „Die langen Messer der Nacht“ gespielt. Und zwar ungestört. Danach gab Heinz einen neuen Text zum Besten, in dem es darum ging, dass Guido Westerwelle bei Wetten dass Hartz4-Empfänger am Geruch erkenne musste, und, weil er seine Wette verlor, diesmal unfreiwillig in den Big Brother Container gesperrt wurde. Darauf folgte ein weiterer höchst selten gespielter Song namens: „Geräusche aus deinem Mund“.

Diesmal kam die Störung aus entgegengesetzter Richtung. Zwei Leute ballerten mit den Fäusten an die grosse Panoramascheibe zum Garten, und Heinz verschluckte sich vor Schreck und bekam bei dem Satz „Was sind das…“ einen Hustenanfall.

Draussen stand, wie sich herausstellte, Busenwunder Lilo und ihr Fahrer. Lilo sagte etwas ausser Atem: „Sorry, eure Klingel geht nicht, das ist doch hier die Berthold Brecht Strasse, ich soll hier tanzen“.

Es dauerte ein Weile bis man den Unterschied zwischen Bert und Berthold klargemacht hatte, und die beiden dorthin abzogen, wo Heinz und seine Mannschaft heute auch schon mal fäschlicherweise waren.

Heinz konnte eine gewisse Ungehaltenheit nicht mehr verbergen, liess sich einen Rotwein bringen, und erklärte übertrieben sanftmütig, er würde nun gern mal zwei Songs am Stück spielen, ohne dabei unterbrochen zu werden.

Beim ersten Song, nämlich „Der Kaiser soll mir sagen wer ich bin“ gelang das auch, doch schon beim nachfolgenden „Arme Johanna“ ging plötzlich das Licht aus und es war still. Stromausfall, Sicherung raus.

Nachbar Heinrich hatte in der Küche den Mixer eingschaltet um sich Matjessaft zu machen, und die vorher schon völlig überlastete Leitung kollabierte. Hajo fidelte zwar sogleich im Dunkeln weiter, Heinz aber hatte abgebrochen, und Wolli war gar vom Hocker gekippt und hatte beim Versuch, sich im Dunkeln irgendwo festzuhalten, die Gardine runtergerissen, und Heinz darunter begraben. Überhaupt war im Raum das Chaos ausgebrochen, da wegen der Enge auch das Publikum durcheinandergepurzelt war.

Eine knappe Viertelstunde verging bis Nachbar Heinrich mitsamt seinem Matjessaft in der Besenkammer eingesperrt war, die Sicherung wieder drin war, der NDR sein Apperaturen wieder hochgefahren hatte, und sich alle sortiert hatten.

Heinz erklärte nun, dass dieses die letzte Störung sei, die er hinzunehmen gewillt akzeptiere, und das ein weiterer, noch so kleiner Vorfall, dem Konzertende gleichkommen wuerde. Das Trio spielte „Ruf mal wieder an“ und kam durch. Kerniger Applaus, und die Ansage für „Es ist nicht wie du denkst“.

Nun, es sollte keinen kleinen Vorfall mehr geben. Die letzte Unterbrechung, die die Veranstaltung würdig benden sollte, war gewissermassen der Knalleffekt des Tages. Mitten im zweiten Refrain wurden Musiker, Gastgeber, Gaeste, und selbst der Nachbar in der Besenkammer von einem durch das grosse Panoramafenster hineinfliegenden Vorschlaghammer zu Tode erschreckt. Das Fenster splitterte mit unbeschreiblichn Getöse in hunderttausend Splitter, und verwandelte den Raum in ein Schlachtfeld, in dem glücklicherweise niemand verletzt wurde. Aber was war passiert ?

Im ersten Teil dieser Triologie hatten wir erfahren, dass zum Aufstellen des Zeltes im Garten ein Stueck der Mauer von Nachbar Hinrichs, nicht zu verwechseln mit Nachbar Heinrich in der Besenkammer, abgetragen werden musste, was man aber wegen dem Auslandsurlaub der Familie Hinrichs zeitig zu reparieren plante. Leider war man nicht auf dem neuesten Stand. Hinrichs waren vor zehn Minuten vorzeitig zurückgkehrt. Sie hatten sich gewundert, was da nebean fuer ein Auflauf sei, was das Riesenzelt im Nachbargarten zu suchen habe, und sie hatten schliesslich auch ihre zestörte Mauer entdeckt. Der Rest erklärte sich aufgrund eines 240er Puls des etwas cholerischen Adalbert Hinrichs, der daraufhin mit senem Vorschlaghammer um Genugtuung ersuchte.

Als die Gastgeber am nächsten Tag mit Heinz telefonierten, war er längst wieder bei Laune, fand die ungewöhnliche Veranstaltung im nachhinein doch irgendwie witzig, und verriet noch, dass im Zugabenblock eigentlich noch „Amok“ gespielt werden sollt. „Aber“, setzte Heinz grinsend hinzu, „das sei ja nicht mehr nötig gewesen“.

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