Spottlight #33 Showdown in Itzehoe (Teil 2) – Die Matjeskrise

In TV-Serien stuende hier jetzt „Was bisher geschah“, aber das koennt ihr ja gleich hier drunter nachlesen.

Wir schildern die Fortsetzung also ab da wo wir aufgehoert hatten, im Kuenstlerfahrzeug, wo die Anspannung angesichts vollstaendiger Orientierungslosigkeit zugenommen hatte. Ein Zufall kam den Insassen zu Hilfe. Ein Motorrad nahm dem Wagen aufgrund von inzwischen verbreiteter Strassenglaette die Vorfahrt, Conny bremste zuegig aber gefuehlvoll, und kam kurz vor der Maschine zum Stehen. Der Motorradfahrer stieg ab, schuettelte sich kurz, und ging zum Wagen, um sich hoeflich fuer die aufmerksame Fahrweise zu bedanken, die ihm Gesundheit und Motorrad gerettet hatte. Conny machte die Scheibe runter, und sah zu seiner Ueberraschung ein Mitglied der Banditos, einer vor allem in Schleswig-Holstein verbreiteten und recht beliebten Motoradbande. Beliebter zumindest als Ministerpraesident Carstensen, fuer den zu Bremsen eher eine wohl zu ueberlegende Aktion waere.

Der Bandito bedanke sich also, und fragte ob er irgendwas fuer die Reisegruppe tun koenne. Conny erklaerte ihm, dass man seit 15 Minuten in der Bert-Brecht-Strasse erwartet werde, aber wegen Funkausfall , Schneetreiben, und dieser schlecht beleuchteten und unstrukturierten Stadt nicht wisse, wo man sich befinde. „Bert-Brecht-Strasse“?, fragte der Bandito, „da wohnt doch meine Oma. Ich fahre vor und fuehre euch hin“.

Gesagt getan, um 19.23 Uhr trafen HRK und Mitstreiter vor dem Haus ein, dass aufgrund des davorstehenden NDR-Uebertragungswagens leicht auszumachen war. Der hilfsbereite Motorrad-Bandito wurde spontan eingeladen, bedauerte aber keine Zeit zu haben, weil er noch in der Amor-Bar mit Busenwunder Lilo verabredet sei.

Kurz darauf stuerzten die Gastgeber, der NDR-Intendant und und die Jodelkuenstlerin aus dem Haus, um beim Ausladen zu helfen. 19.27 Uhr stand die Anlage, um 19.31, immerhin laut Plan eine Minute zu spaet, war der Soundcheck erfolgreich abgewickelt. Waehrend Conny nun im Wohnzimmer die Anlage bewachte, Wolli Stute zwecks Handyempfang aufs Dach kletterte, und Hajo sich Richtung Verpflegungsbereich in der Kueche entfernte, wurde HRK in das Zelt gefuehrt, in dem die Temperatur inzwischen auf Minus 4 Grad gesunken war, obwohl die Gastgeber einen Heizluefter der Firma Kueppersbusch angeschlossen hatten. HRK wurde an einer zentralen Stelle postiert, und zunaechst mit 4 wohlwollenden Begruessungsreden diverser Teilnehmer bedacht. Dann begannen die Darbietungen. Die Jodeleinlage war schlimm, das Blumengesteck zaeh, und die Blasmusik zu lang. Der Musikzug hatte naemlich die Bestandsaufnahme nicht nur auf 22 Minuten ausgedehnt, in die allein ein vierminuetiges Schellenkranzsolo integriert war, sondern zudem Parodien auf grosse Songs der Musikgeschichte eingebaut, die kurz angedeutet wurden. Es war in dieser merkwuerdigen Zusammenstellung und Reihenfolge „Whole lotta Love“, „Er gehoert zu mir“, „Starless“ und „Mus I denn zum Staedtele hinaus“, wobei Letzteres einem Musikzug immerhin angemessen ist.

HRK wurde das Blaskonzert in der 17 Minute zu anstrengend, woraufhin er die Gastgeberin leise nach der Toilette fragte, und anschliessend gleich im Haus blieb. Dort hatte Hajo inzwischen ein anderes Problem, er war naemlich ausserordentlich hungrig, mag aber keinen Hering. Originellerweise bestand aber das gesamte Catering aus schier ungekannten Matjesvariationen. Matjes blau, Matjes in Oel, in Rosinensauce, in suesser und saurer Sahne und in Noisettecreme. Dazu gab es Matjespudding, Matjesboillion, Matjes im Teigmantel, Matjes auf Quittenkraut, Matjes im eigenen Nest und Bratmatjes auf Toast. Zu trinken gab es Matjessaft, Matjeslimonade und Matjesweizenbier.

Nun war Hajo nun mal hungrig, wollte aber nicht unhoeflich sein, und entdeckte in der Kueche den Flyer eines Pizzabringdienstes. Er rief dort mit Wollis wieder funktionsfaehigem Handy an, und bestellte in Windeseile, weil er Schritte auf dem Flur hoerte, eine Pizza. Sein Wortlaut war: Bringen sie mir bitte ganz schnell irgend eine Pizza in die Bert-Brecht-Strasse an den NDR-Ue-Wagen.

Ich mache jetzt einen Sprung bis zum Beginn des eigentlichen Wohnzimmerkonzertes. Der wie im ersten Teil erw?hnte, 14 Quadratmeter grosse Raum, war im wahrsten Sinne des Wortes vollgestapelt mit 38 G?sten, die w?hrend dem „Der Kommissar“-Intro teilweise noch einmal raus mussten, weil die Musiker nicht hineinkamen. Aber schliesslich war alles bereitet und es konnte losgehen.

Nun darf ich vorwegnehmen, dass ja einige Besonderheiten dieses Konzertes durchaus gewollt waren. Ein Wohnzimmerkonzert bietet natuerlich unvergessliche Eindruecke, auch ohne Anfahrtchaos und nebengelagerte Spielmannszuege. Die Athmo eines privaten Raumes mit handverlesenen Gaesten bekommt man sonst nicht. Auch fuer Kuenstler ist das eine nette Abwechslung, gerade fuer den Heinz, den nichts mehr langweilt, als wenn ein Konzert wie das naechste verlauft. Deshalb hatte er auch fuer heute mit seinen Mitstreitern ein spezielles Programm einstudiert und ein paar nie gespielte Songs eingestreut. Im Kurhaus zu Bad Pyrmont wollen die Leute „Mabel“ hoeren, weil sie das aus dem Radio kennen. Hier, unter Eingeweihten, ist man ihm dankbar wenn er „Mabel“ bitte weglaesst, bzw. austauscht.

Aber es gibt auch die anderen, die unvorhergesehenen Besonderheiten. Ein Privathaus ist keine Stadthalle, wo man diese oder jene Stoerfaktoren professionell blocken kann. Und Stoerfaktoren sollte es noch geben an diesem Abend. Es war dem Raeuberzivil beschieden, genau einen Song ungestoert vorzutragen, und zwar den Ersten. Das Set begann, auch wenn man heute seltene Songs erwarten durfte, mit dem hoechst unerwarteten „Du erwartetst ein Kind“, dass wie im Raum deutlich zu sehen, einige gar nicht kannten. Nach dem Song frenetischer Applaus, einige Grussworte des Kuenstlers, und der ??bergang in die ersten T?ne einer akustischen Version von „Kadaverstern“. Heinz hatte das erste „Fuer euch bin ich gestorben“ nocht nicht vollendet, als es an der Tuer klingelte.

An dieser Stelle sagt die Redaktion zum zweiten mal „Fortsetzung folgt“. Ich habe den Text zwar fertig, aber Kalle hat mir verboten ihn komplett einzustellen, weil er angeblich zu lang sei. Der letzte Teil der Triologie, in dem es noch sehr turbulent wird, kommt aber ganz bestimmt schon in den naechsten Tagen. Bis die Tage also…

Dieser Beitrag wurde unter Frankys Spot(t)light veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.