Spottlight #32 Showdown in Itzehoe (Teil 1)

Manchmal hat man es als Kuenstler schwer. Die Herren Kunze, Stute und Hoffmann wurden gewissermassen im Radio verhoekert. Die Welle Nord hatte dem HRK-Management, wohl im Zuge der Praesentation und Promo des Konzertes in Kiel 2009, abgerungen, den Meister in ein Wohnzimmer im Sendegebiet zu schicken, auf dass er dort musiziere, und sich von seltsamen Leuten mit Kaffee und Kuchen fuettern lasse.

Vielen Kuenstlern vor ihnen war schon Aehnliches passiert. So musizierte schon Peter Maffay im Bratwurst-Eck Otterberg, Karel Gott im Gartenpavillion von Familie Rechtsruck in Winterberg und die schwaebische Band Pur im Duesseldorfer Rheinstadion, das spaeter abgerissen wurde.

Zunaechst durften sich Hinz und Kunz, so heissen die meistens da oben, bewerben, in dem sie eine vermeindlich originelle Idee fuer das Event vorschlugen. Dann waehlte der Sender die 3 originellsten Ideen aus. Jedenfalls wurde das so behauptet. Angesichts der 3 Vorschlaege die ins Voting kamen, moechte ich die durchgefallenen Ideen lieber gar nicht wissen. Denn die Bewerber versuchten sich zu qualifizieren, in dem sie a) „Dein ist mein ganzes Herz“ vorzujodeln planten, b) dem Kuenstler einen Blumengesteck zum Verzehr ueberreichen wollten, und c) eine volkstuemliche Blaskappellenversion der „Bestandsaufnahme“ zu Gehoer bringen wollten.

Die Auswahl wurde den Hoerern des Senders im Internet einen Tag zum Voten angeboten. Da neben der Blaskapelle auch saemtliche Fanclubs von Kunze mobilisiert wurden, gewannen schliesslich Pizza- und Stempelmaschinenverkaeufer aus Itzehoe mit einem Vorsprung biblischer Dimension. Diese wussten erstmal ebensowenig, wie die Herren vom Raeuberzivil, auf was sie sich da eingelassen hatten, freuten sich aber zunaechst in vollkommener Zuegellosigkeit.

 

Da ein Wohnzimmerkonzert in einem Wohnzimmer stattzufinden hat, bestand der Sender also auf einen 14 Quadratmeter grossen Raum, obwohl eine Grosskueche/Esszimmer-Kombination mit 45 Quadratmeter zur Verfuegung gestanden haette. Und eben dieser Sender rueckte 2 Tage vor dem Event mit einem fuenfunddreissigkoepfigen Stab an, der die Vorbereitung treffen, und die Location auf den Kopf stellen sollte. Vom Intendanten bis zum Praktikanten trampelte alles durch das Haus, zumal man sich auch eine Liveschaltung in den Rundfunk in den Kopf gesetzt hatte. Es gab schwere Kaempfe um Licht- und Soundspezivitaeten, die die Hausbewohner stellenweise in Ruhigbleibungsnot brachten.

Dummerweise gehoerte ja nun auch die ominoese Blaskapelle zu der Veranstaltung, von der das Geruecht die Runde machte, die gaebe es gar nicht, und die sei nur erfunden worden, um ins Voting zu gelangen. Eine dazugehoerige Internetseite deute zwar auf eine traditionsreiche Vergangenheit hin, aber ob die Seite nicht grad 2 Tage vorher erst ins Netz gegangen sein koennte, war nicht entgueltig zu klaeren. Nun, ob die Kapelle, sie nennt sich Musikzug, schon vorher existent war, oder nicht, sie war jedenfalls einsatzfaehig. Und sie war mit einhundertdreiundfuenfzig Mitgliedern zu umfangreich fuer ein Wohnzimmer von 14 Quadratmetern. Ein Zelt musste her. Ein Zelt im Garten, welches fuer die blasmusikalische Darbietung Raum bieten sollte, nicht aber fuer das Wohnzimmerkonzert, dass ja eben nun mal ueberraschenderweise im Wohnzimmer stattfinden sollte. Ohne Musikzug.

Das Zelt wurde besorgt. Es handelte sich um das Ausweichzelt des inzwischen geschlossenen Zirkus Simoneit-Barum, das wegen seiner Rundform jedoch nicht in den Garten passte. Wohl in der Laenge, nachdem man 2 Apfelbaeume entfernt hatte, nicht aber in der Breite. Die Mauer zum Nachbarn Hinrichs musste abgetragen werden. Da diese im Urlaub weilten, steht die Reaktion auf die Liquidierung ihrer Mauer noch aus.

Jetzt will ich mich aber nicht zu lange mit den Vorbereitungen befassen, obwohl die allein ein Buch fuellen koennten. Vielmehr setze ich nun bei der Anreise der Musiker an. Diese war recht beschwerlich. Jetzt ist es ja so, dass Kuenstler vor einem Event vom Veranstalter Unterlagen bekommen, in denen alle Informationen drinstehen. Anfahrt, Parkbucht an der Location, Aufbauregularien, usw. Hier lag nur die Adresse vor, und die stimmte aufgrund eines Uebermittlungsfehlers nicht einmal. Das Wohnzimmerkonzert war naemlich nicht fuer die Berthold-Brecht-Strasse gebucht, sondern fuer die Bert-Brecht-Strasse. Keine Ahnung ob der Gastgeber sich versprochen, oder Wolli Stute nicht richtig zugehoert hatte, der Treck fuhr faelschlicherweise in die Berthold-Brecht Strasse, die es dummerweise in Itzehoe auch gibt, wenn auch am entgegengesetzten Ortsende. Und unter der angegebenen Hausnummer landeten die Herren in der Kneipe „Amor-Bar“, die um diese Zeit noch geschlossen war. Als der Wagen bereits leergeraeumt war, kam der Hausmeister um die Ecke, und stellte den Irrtum klar. Dort war fuer den Abend nicht Raeuberzivil gebucht, sondern „Busenwunder Lilo und ihr Stangentanz“.

Es wurde alles wieder eingeladen, „Bert-Brecht“ ins Navi eingegeben, und durchgestartet.

Unterdessen spielte sich der Musikzug im ungeheizten Zelt schon mal warm, soweit das im tiefsten Winter moeglich war. Die wenigen Gaeste, die im Sinne von Konzertbesuchern geladen waren, also keine veranstaltungsspezifische Funktion hatten, berieten inzwischen darueber, ob sie bereits den engen Platz im Wohnzimmer in Beschlag nehmen sollten, weil sie Angst hatten, spaeter rein physisch nicht mehr hineinzupassen, oder noch das interessante Treiben im Zelt zu besichtigen sei, dass dem Konzert vorgelagert ueber die Buehne gehen sollte.

Die 45 Quadratmeter grosse Kueche war Tabuzone, weil hier Kuenstlergaderobe und Verpflegungsbereich gedacht war. Die Kommandozentrale der Welle Nord befand sich in der Besenkammer.

Der Intendant hoechstpersoenlich hatte einen Zeitplan erstellt, auf die Ankunft von Kunze & Co fuer 19 Uhr verzeichnet war, damit nach Aufbau und Soundcheck gegen 19.30 Uhr die Prozedur im Zelt steigen konnte, und ein puenktlicher Konzertbeginn fuer 20 Uhr moeglich waere.

Dummerweise war es inzwischen 19 Uhr, und keine Kuenstler waren zu sehen, ausser man wuerde den frierenden Musikzug so bezeichnen. Es hatte nicht unerhebliches Schneetreiben eingesetzt und die Aussentemperatur hatte sich in den -3 Grad-Bereich gestuerzt.

Kunze & Co hatten ein neues Problem. Das Navi war ausgefallen. Infolge eines Funklochs, wie man es in dieser duenn besiedelten Gegend oefter hat, war keine Verbindung mehr zum Satelliten moeglich. Auch nicht via Handy. Handy haette aber ohnhin nichts genuetzt, weil das Telefon im Veranstalterhaushalt vom NDR-Praktikanten versehentlich runtergeworfen und zerstoert worden war.

Dazu Schneetreiben, inzwischen Dunkelheit, und eine aufgrund kommunaler Sparmassnahmen grottige Strassenbeleuchtung in diesem verf… Itzehoe. Kunze begann vor sich hin zu schimpfen, Conny, der Fahrer philosophierte ueber Staedte, in denen es aussehe wie in Bitterfeld vor der Grenzoeffnung, Wolli Stute wurde schweissnass vor Nervositaet, und Hajo Hoffmann fiedelte froehlich „Wir leben alle im Erdgeschoss, und regte die Anderen nur noch mehr auf.

So, liebe Leser, und an dieser spannenden Stelle gibt es etwas, was wir im Spottlight noch nie hatten: Einen Cliffhanger.

Also, Freunde, Fortsetzung folgt…und das schon in ein paar Tagen im Spottlight #33.

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