Die Gegend war mal…naja…rockiger!

Die Frage, die mich am meisten beschaeftigt, seit ich vor 10 Tagen das neue Album aus dem MediaMarkt Goettingen trug, und in den Auto-CD-Player packte, ist vor allem Folgende: Lag es an der fantastischen, hochaufloesenden Anlage in Leos Studio, oder haben die aus den knackigen und frischen Rohmixen beim Mischen so viel rausgefiltert ?

Ich nenne nur mal ein einziges Beispiel. Die Gitarrenspur, die Heinz waehrend unserer Anwesenheit im Studio noch selbst eingespiel hat. Verzerrte, brettharte Akkorde fuer den Refrain von „Unbeliebt“.

Ich habe alles versucht, sogar Q-Tipps. Ich hoere sie nicht. Weg. Geklaut.

Mit etwas Abstand und acht bis zehn Durchgaengen ist mir „Die Gunst der Stunde“ zu harmlos geworden. Ich stehe nun mal mehr auf den bissigen, schraegen und duesteren Kunze. Insofen war vorher klar, dass das Album mit seiner konzeptionellen Ausrichtung nicht meine HRK-Lieblingsplatte werden wuerde. Dagegen ist ja auch nichts zu sagen, weil andere Hoerer dann eben diesmal mehr zu ihrem Recht kommen. Aber ein bisschen enttaeuscht bin ich jetzt doch, weil auch im Rahmen dieses Konzeptes mehr drin war. Nicht global betrachtet, aber fuer meine individuelle Baustelle.

Im September in Hamburg hatte ich 5 persoenliche Favoriten ausgemacht. Jetzt sind es eigentlich sogar 6 Songs, die auf eine Compilation der letzten 4 Alben kommen. Die allgemein gut abschneidenden „Sanduhr“, „Kampfzone Mitte“, „Der stille Gast“ verstehen sich von selbst, wobei letzte Nummer schon wegen dem ausgefallenen Keyboardsolo, das uebrigens nicht Matthias Ulmer spielt, wie fuer mich produziert wurde. Da sitzt alles. Die „Kampfzone“ ist geil, koennte aber in rockigerem Gewand noch viel mehr abraeumen.

Mein vierter Liebling, „Eisfrei“ wirkte im Studio noch ungleich atmosphaerischer, ist aber trotzdem wunderbar geworden. Eigentlich die perfekte zweite Single, wenn man denn als erste „Unbeliebt“ ausgewaehlt haette. Jenes „Unbeliebt“, welches mir auch in der kastrierten Fassung immer noch sehr gefaellt. Jetzt mein Singletipp, wenn den noch Bedarf besteht.

An 6 setze ich „Trockne deine Traenen“ und machte darunter erstmal einen Strich. Die Sander/Schmidthals-Komposition groovt so schoen und hat Potential fuer einen zuegellosen Live-Abraumer. Der Song hat waehrend des Warmhoerens eigentlich am mesten aufgeholt.

Tja, die weiteren 7 Tracks der Standart Edition nutzen sich bei mir sehr schnell ab. So richtig gezuendet hatten sie ohnehin nicht. „Ich liebe dich“ ist sicher mal ein mutiges Lieblingslied, bei dem Heinz mal nicht mit germanistischen Schnoerkeln Hintertueren und Fragen offen laesst. Anders liegt der Fall bei den Rosen. Da sind die Lyrics schlicht und einfach unkunzig. Man koennte glatt meinen, der Song sei als Experiment gedacht, um herauszufinden, wer den schoensten Verriss schreibt. Diesen muesste man dann Max Goesche zuerkennen, der im Rolling Stone befand, der Song koennte auch von Wolle Petry stammen. Es verwundet dann auch nicht, dass Goesche in seiner Rezi ausgerechnet aus diesem Text zitiert, vierzehn andere aber nicht erwaehnt. Lediglich „Eisfrei“ ist ihm noch ein Zitat wert, verbunden mit einem Hinweis auf Tom Astor allerdings.

O.K., auch wenn der Mann seine peinliche Rezension mit 1,5/5 schliesst, faellt doch etwas auf. Heinz wurde vom RS eigentlich immer gut besprochen. Aber sein Stammrezensent Arne Willander, der nicht etwa im Urlaub war sondern stattdessen Max Raabe mit 4 Sternen versehen hat, wollte diesmal wohl nicht. Und das laesst dann doch einen Anfangsverdacht zu.

In den Fanforen beobachte ich auch einen interessanten Trend. Die notorisch kritischen User, die eigentlich immer ein Haar in der Suppe finden, sind diesmal merkwuerdig zurueckhaltend. Jedenfalls seit die Platte draussen ist. Im Vorfeld hatten wir da schon erregende Szenen :-))

Dafuer haben die generell Begeisterungsfaehigeren unter den Kunze-Moegern diesmal einen deutlich Hang zum Knurren. Auch nebenan bei den eigentlich im Durchschnitt weniger verbissenen Kollegen aus dem blauen Forum gibts diesmal richtig Unzufriedenheit. Das Album steht da ganz schoen im Regen. Und nicht nur wegen dem Cover, in dem sich eigentlich alle Schraegheit befindet, die man den Songs entzogen hat.

Uebrigens schaut man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul. Jedenfalls wenn man sich fragt, was denn um Himmels Willen beim ersten Bonustitel schiefgelaufen ist. „Dankeschoen“ ist wirklich ein richtiger Abgrund geworden, der rationell kaum erklaerbar ist, und den man uns in Hamburg vorenthalten hatte. Sonst haette ich ihn auch aus dem Album rausgequatscht.

Die beiden anderen Bonustitel mag ich eigentlich. Jedenfalls wenn ich sie nicht zu oft hoeren muss.

Damit waere ich soweit durch. Wer jetzt ernsthaft gedacht hatte, ich wuerde die Platte jetzt hier auseinandernehmen, der sei daran erinnert, dass ich mich angesichts des Studioberichts selbst zum Idioten gestempelt haette. Dass ich trotzdem ein staerkeres Album erwartet hatte, kann eigentlich nur daran liegen, dass man bei der Verarbeitung der Rohmixe eben nun mal noch einige Pferdestaerken entfernt habe muss.

Fuer die unter uns, die vor allem „Richter-Skala“ und „Draufgaenger“ gefeiert haben, sei der hoffnungspendende Gedanke formuliert, dass Heinz sich mit DGDS von seinen eigenen musikalischen Vorlieben auch ein Stueck weit entfernt hat. Das Pendel hat den Gegenpol erreicht und wird wieder zurueckschlagen. So war es immer.

Korrekte Gruesse vom Franky

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