Spottlight #53 vom 29.7.16

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Eigentlich sollte es eine Hammermitteilung werden. Eine UK-Tour mit Namen „Deutschland“. Wie das auf dem Plakat genau ausgesehen hätte, stand noch gar nicht fest. Vorne lag wohl der Entwurf „Heinz Rudolf Kunze – Deutschland-Tour UK2017“. Und dann die 15 Spielorte quer über die Insel. Zwei Mal Wales (Swansea, Cardiff), zwei Mal Schottland (Glasgow, Motherwell) und elf Mal England mit dem legendären Roundhouse im Londoner Norden, Birmingham, Oxford, Nottingham, Leeds, Bristol, Liverpool, Manchester, Blackpool, Bradford und zum Abschluss der semiakustische Abend in der Union Chapel.

MAWI hatte die Planung zusammen mit der englischen Agentur Stage Burn gestartet, und eigentlich war das Ding fertig. Ein deutschsprachiger, nur mäßig bekannter Rockpop-Act auf der Insel. Um die etwas schräge Idee tragfähig zu bekommen, hatte man die Ticketpreise mit 22 GBP niedrig angesetzt. Und da liegt nun das Problem. Nach der Brexit-Entscheidung ist das Pfund gegen den Euro abgestürzt und wird bis zum geplanten Vorverkaufsstart im Januar weitere 10% abgewertet taxiert. Da aber außer Hallenmieten, Hotels und Verpflegung in Euro kalkuliert werden muss, reichen die knapp kalkulierten Ticket-Einnahmen hinten und vorne nicht mehr. Deshalb steht das ambitionierte Projekt jetzt vor dem Aus.

Niemand bedauert das mehr als Heinz, der nach anfänglicher Ungläubigkeit den Vorschlag aus dem Hause MAWI begierig aufsaugte und mit Leben erfüllt hatte. Vor allem die Synergie aus anglo-amerikanisch geprägter Musik mit Texten aus und über Deutschland in UK in deutscher Sprache vorzutragen, versprach hochspannende Resultate. „Lola“ hätte natürlich in diesen Kontext mal gar nicht gepasst, aber Songs wie „Den Bach runtergehn“, „Meine Wünsche“, oder „Naherholungsgebiet“ wären ein wunderbares Angebot an das vermutlich in jeder Beziehung gemischte Publikum gewesen. Zwei, drei Songs aus den Shakespeare-Bearbeitungen wären dabei gewesen, auf jeden Fall die Wiedervereinigungshymne „Lebend kriegt ihr mich nicht“ und auch „Seekranke Matrosen“ und „Madagaskar“. Aus dem Räuberzivil-Fundus waren „Es ist Krieg“, „General Lee“ und „Mein Anwalt und ich“ angedacht. Mit „Leg nicht auf“ und „Regen in meinem Gesicht“ hätten die Briten auch mal gänzlich unkitschige Lovesongs zu Gehör gebracht bekommen. Übrigens hatte Heinz auch ganz im Ernst geplant, die gewohnten Sprechtexte mitzunehmen. Die „Norwegische Romanze“ wollte er übersetzen, sonst aber drei Texte in Deutsch vortragen.

Kurz vor der Brexit-Abstimmung hatte man im MAWI-Hauptquartier übrigens noch gescherzt, dass ein Austritts-Votum das Projekt schwer in Frage stellen würde, zu diesem Zeitpunkt galt der EU-Verbleib aber bereits als zu 90% gesichert, was sich an scheinbar aussagekräftigen Quotenverschiebungen der Wettanbieter am Vortag festmachte. Als der durchschnittliche Werktätige am Freitag gegen sechs Uhr erwachte, erschrak er dann aber gar heftig.

Mit der Aufgabe dieser Tournee ist natürlich auch die ohnehin geringe Hoffnung gestorben, HRK auf einem der wichtigsten internationalen Märkte zu etablieren. Ein Charteinstieg in UK hätte Signalwirkung für Skandinavien, Australien, Japan und China gehabt.
Großes Bedauern übrigens auch von Kollegen. Editors-Sänger Tom Smith, der Kunze zu seinen Einflussfaktoren zählt, schimpfte angesichts der Brexit-Entscheidung auf die „dummen Menschen in seinem dummen Land“.

Ganz im Brunnen liegt das Kind aber noch nicht. Denn wenn Heinz nicht zu den Briten kommt, haben die Briten, und das bereits in zwei Monaten, immerhin die Möglichkeit, sich die einzig wahre Deutschland-Tournee in good old Germany anzusehen.

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