Für Franky. Du fehlst (mir).
Für Kalle. Du Leuchtfeuer in Zeiten des Verlusts.
HRK & Verstärkung im Slow Down Travemünde
Warm-up Konzert zur „Angebot und Nachfrage“ Tour 2026
Donnerstag, 17.09.2026
Beginn: 19:00 Uhr
Pause: ab 19:50 Uhr (ca. 15-20 Minuten)
Ende: ca. 21:45 Uhr
Kapazität: 250-300 (Schätzung)
Ausverkauft
Vorgeplänkel
Die Fähre aus Travemünde setzt mich über zur Priwall Halbinsel. Im Saal „Beach Bay 1“ des „Slow Down“ Hotels probten Heinz, Band und Crew seit Montag. Hier findet heute auch das Konzert statt. Es geht nach oben in den 4. Stock, die Penthouse Ebene. Vor Einlass gibt es Bändchen für die Besucher. Blau für Sitzplätze und Pink für Stehplätze ganz hinten im Saal. Der Abend war zügig ausverkauft, die teuren Karten begehrt. Die Plätze haben feste Nummern. Ich bin spät dran, der Restaurantbesuch vor dem Konzert hat länger gedauert als geplant. Wir mussten lange auf das Essen warten.
Der Saal ist bereits gut gefüllt. Draußen auf der Terrasse steht das Publikum mit seinen Getränken und blickt hinunter auf die Lübecker Bucht. Im Vordergrund der Hafen und die imposante Viermastbark „Passat“. Ein Museumsschiff und Wahrzeichen von Travemünde. Dahinter, auf der gegenüber liegenden Uferseite, das Hochhaus des Maritim Strandhotels. Es ist spätsommerlich warm.
Der Tag bisher war schön. Nach längerer HRK Konzertabstinenz zu wissen, heute Abend geht es wieder los, löst immer noch tief empfundene Vorfreude aus und ich erwarte den Abend mit Spannung. Für welche Songs hat man sich diesmal entschieden? Mit welchem Kaleidoskop an Eindrücken und Gefühlen gehe ich aus dem Abend?
Das Konzert
Los geht es um 19:00 Uhr.
Heinz darf jetzt endlich mit der Verstärkung die Tour zum knapp ein Jahr zuvor bereits veröffentlichten Album „Angebot und Nachfrage“ starten. Für die Verzögerung hatte 2025 das „Dein ist mein ganzes Herz“ Jubiläumsjahr gesorgt. 40 Jahre „Herz“ wurden mit einer großen Sommertour und einem Gastauftritt von Heiner Lürig in Hannover gefeiert.
Das einleitende Intro - unterlegt mit sphärischen Synthesizer Ambient-Sounds und Handpan (?) Obertönen heißt „Der große Tag der Abrechnung“. Währenddessen betritt die Band - fast ganz in schwarz - unter dem Jubel des Publikums die enge, niedrige, mit Leuchtstäben besetzte Bühne und beginnt mit der Arbeit. Nur Ulmis rote Sneaker stechen hervor aus dem Einheitslook. Heinz betritt die Bühne als die ersten Takte des Openers „Besuch mich Marie“ schon laufen. Wie so häufig in den letzten Jahren im selben/gleichen Bühnenoutfit. Sakko und Hose schwarz, darunter ein ebenso dunkles Hemd oder T-Shirt. Passend zum maritimen Ort der Schal heute in Türkis, Heinz Lieblingsfarbe. Dazu schwarze Lackschuhe.
Musikalisch knüpft die im August 2025 als Single erschienene nostalgisch instrumentierte „Marie“ gekonnt an die 80er an. Eingängig geleitet der Titel die Zuhörer hinein in den Abend zur nächsten Single Auskopplung. „Wir sind wir“ ist eine Ode an die Gemeinschaft. Es geht um Toleranz, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das Publikum nutzt die Gelegenheit und steigt klatschend in den Refrain mit ein („la-la, la-la, la-la-la-la“).

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Heinz wechselt ans Klavier, begrüßt das Publikum, und bedankt sich beim Hotelteam.
Im folgenden Text geht es um „Fremdbestimmung“, „Befreiung“ und „wiedererlangte Souveränität“. Er handelt von „Dinge(n), die man ein Leben lang macht, aber eigentlich gar nicht machen möchte und das Supergefühl, dies einfach bleiben zu lassen.“ Heinz lässt das Publikum ein Mantra sprechen: „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr und das Gute ist, ich muss auch nicht mehr.“
Wir kommen im Set zur philosophischen Klavierballade „Einen andern Menschen lieben“ (2025). Ein Beziehungslied über die lange gewachsene und vom echten Leben geprägte, reife Liebe.
Heinz Finger wandern über die Tasten, Manuel Lopez läßt die blaue Duesenberg schnurren. Matthias Ulmer zaubert (trotz Grippe) wie immer an den Keyboards. Jens tritt am Schlagzeug so sanft in den Song ein, das man sich fast gestreichelt fühlt von dieser musikalischen Zartheit. Basser Stefan Gade groovt sich souverän durch den Song. Nathalie Pütz und Andrew Gräser mit sanftem Zuspiel im Hintergrund. Gesanglich wie musikalisch. Insgesamt funktioniert die Band wie ein Schweizer Uhrwerk. Präzise, auf den Punkt. Das harmonische Zusammenspiel bietet Heinz den Raum, sich sicher zu fühlen in diesem „Safe Space“ und sein Bestes aufzubieten.
Im Set gibt es (wie Kalle schon schrieb) das ein oder andere geänderte Arrangement, sowie Gesangsspielereien - sowohl von Heinz, als auch von den (O-Ton Heinz) „Lerchen“ im Background: Natalie und Andrew.
„Immer für dich da 1“ kündigt Heinz stolz als „Kunze Lieblingslied“ seines guten Freundes Reinhard Mey an. Der Kenner weiß natürlich längst, dass es auch ein ganz wundervolles Duett mit Reinhard Mey dazu gibt. Zu finden auf dem Album „Ich bin Heinz Rudolf Kunze“ (2012).
Mit Mundharmonika wird das musikalisch beschwingte „Dann fängt die Liebe an“ eröffnet. Der Versuch zu ergründen, wann Liebe eigentlich beginnt. Mit einem feinen Solo vom Ulmi, der die Musik zum Song komponiert hat. Ebenfalls eine Single aus AuN.
Im folgenden Text sinniert Heinz nun über „Alkoholprobleme“ eines Nichttrinkers. Er hat das „Nüchternsein“ für sich entdeckt und bietet sich als „Nachhausefahrer“ an, „solange es noch eines gibt“. Darauf ein „Prösterchen“.
Wir treten die weiteste Rückreise des Abends an und ich tauche mit ein in die „Romanze“ vom 1981er Debütalbum „Reine Nervensache“. Diesmal lädt Heinz im Text zum (für ihn nicht sehr schmackhaften) Tofuessen ein. Für mich ein Highlight des Abends.
Dann geht es zurück zum aktuellen Album und die intensive Rockballade „Irgendwo“ brennt sich tief ein zwischen dem Sound verschiedener Instrumente und Ulmis Keyboard Outro. Manche Songs hört man einfach nur, diesen fühlt man. Mein Favorit vom neuen Album.
Ohne Übergang geht es weiter zu „Aller Herren Länder“. Das Publikum muss nicht lange gebeten werden mit einzusteigen. Die Band zelebriert den Klassiker während Heinz U2’s „I still haven’t found what I’m looking for“ einstreut, bevor er zur Mundharmonika greift und den Song weiterführt.
Den satirisch zugespitzten Text „Kacken ist Pop“ über die Entgrenzung der Popkultur kennt der ein oder andere Konzertgänger schon. Passend leitet er über zu „Gute Unterhaltung“ aus dem gleichnamigen 1989er Album. Umrahmt von Natalie und Andrew muss Heinz sich von den beiden ähnlich eines Rapper-Battle abwertende Bezeichnungen wie „Oberlehrer“, „Prinzipienreiter“, „Besserwisser“, u.ä. um die Ohren hauen lassen. Der erste Teil des Sets geht nach ca. 50 Minuten zu Ende.
——Pause——
Jetzt wird es politisch und eindringlich mit der wichtigen Botschaft „Jeder Tote einer zuviel“ (2025). Über die von Menschen gemachte „Stimmungsklimaveränderung“ geht es in „Die Angst geht um“ (2025). Die Band treibt Heinz durch letzteren Song. Fast fühlt man sich gejagt beim Zuhören. Ein beklemmendes Gefühl.
Im Text über Heinz Freund „Volker“ wird es politisch. Scharfsinnig wird das "Volk" am Beispiel des Freundes seziert und Heinz spricht über die „vergifteten Herrschaftszeiten“ in denen wir heute leider leben.
„Ich hab’s versucht“ von 1989 wird angestimmt. Intensiv und unter die Haut gehend wie eh und je.
Bergfest. Die erste Hälfte des Sets ist jetzt durch.
Die Abschiedsballade „Regen in meinem Gesicht“ (2009) mit Natalie als Gesangspartnerin lässt nachdenken über den Abschied aus einer Beziehung, auch wenn die Liebe noch da ist.
Politisch sarkastisch spricht Heinz in „Wir machen weiter wie bisher“ u.a. über den Rechtsruck im Land und die Unfähigkeit regierender Politiker gegenzusteuern.
Zum Ende von „Was bin ich wert“ (2025) verlässt Heinz die Bühne. Band, Natalie und Andrew batteln sich während des Chorus zum Song, während Jens Carstens am Schlagzeug auf sein Instrument regelrecht eindrischt.
Es geht weit zurück im Kunze Fundus und das schräge, gesellschaftskritische und doppeldeutige „Keine Reaktion“ (1982) wird gespielt. Zu Beginn mehr gesprochen als gesungen und von Natalie am Percussion Glas begleitet, kulminiert der Song am Ende in ein rein instrumentales Outro. Heinz findet, der Titel hört sich an wie der Soundtrack zu einem David Lynch Film oder alternativ zur Serie „Breaking Bad“.
Jetzt kommt der Hauptteil mit den Dauerbrennern, den 80er und frühe 90er „Allstars“, die viele Besucher erwarten, für die sie ins Konzert pilgern. Dieser Soundtrack vergangener Jahre ist geprägt von schönen, manchmal auch verklärten Erlebnissen, Erinnerungen an früher („weißt du noch damals“…?). Lieder, die auch mir in Fleisch und Blut übergegangen sind, die ich gerne mag. Ich schwanke bei den ersten Klängen zwischen wohlig freudiger Vertrautheit und (Ja! Ich gestehe!) einem winzigen (fast schon ketzerischen!) Hauch Überdruss, bevor ich mich dem (selbst gewählten!) Overkill hingebe und mit einstimme, in die seit Jahrzehnten ins Gedächtnis eingebrannten Melodien und Texte. Sie machen einfach immer wieder großen Spaß und bereiten dem Zuhörer (Ja! Hier! Mir auch!!) pure Freude beim gemeinsamen Abfeiern der "Allstars".
Draußen fährt ein Schiff vorbei. So nah und imposant an diesem engen Arm der Trave, dass es mich kurz ablenkt von meinen Gedanken und dem Geschehen auf der Bühne.

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Beim Klassiker „Eigene Wege“ (1988) springen die ersten im Publikum auf, animiert durch Gesten der Musiker. Von alleine traut man sich das ja selten bei Sitzkonzerten, schließlich möchte man niemandem die Sicht versperren. Die Lerchen (Natalie und Andrew) als Chorus. Es dauert nicht lange, bis der gesamte Saal steht und so bleibt es dann auch. Im letzten Drittel des Konzerts werden die Klassiker abgefeuert und vom Publikum ausgiebig gefeiert.
Nach „Vertriebener“ (1985) stellt Heinz, der bald die „7“ vor dem Komma stehen haben wird, die nun schon einige Jahre in dieser Formation bestehende „Verstärkung“ vor. Heinz, der (O-Ton) „sehr, sehr alte weise Mann“, stellt fest, „je älter man wird, desto mehr freut man sich, wenn sich Dinge nicht ändern.“
Die Band: Stefan „die Hamburger Legende“ Gade, Jens „Mr. Schlagzeug aus dem Norden“ Carstens, Ostwestfale Andrew „Allzweckwaffe“ Gräser, Natalie „die gute Fee“ Pütz aus Hamburg, Matthias „mit den sieben Armen“ Ulmer aus Stuttgart, Manuel „Traumgitarrist“ Lopez aus München.
„Mit Leib und Seele“ (1986) lässt Raum für Lopez Gitarren Solos, der mit einer Ruhe und entspannten Gelassenheit seiner Arbeit nachgeht. Heinz fühlt sich an seiner musikalischen Seite (O-Ton) „geborgen“.
Im Text „Sieben Jahrzehnte gelebt“ sinniert Heinz über (fast) 70 Jahre gelebtes Leben und über (sein) Grabstein Motto, den Sinnspruch „Bin gleich zurück“.
Mit sanfter Stimme führt Heinz das Publikum in „Herz“ ein, bevor die Menschen alleine weitersingen dürfen. Nach diesem (O-Ton Heinz) „hinreißenden“ Intro wird „Dein ist mein ganzes Herz“ (1985) wie immer zelebriert und ausgelassen gefeiert. Viele nach oben gestreckte Arme versuchen mit ihren Handykameras Erinnerungen zu speichern. Ein Siedepunkt des Konzertes. Der Applaus hält lange an.
Abgang Band und Heinz. Nicht lange, bis der Tross unter dem Jubel des Publikums wieder die Bühne erklimmt und weiter geht es mit dem ersten Zugabenblock.
„Leg nicht auf“ (1994) macht den Anfang. „Ich kann zuhör’n bis die Balken sich biegen und die Nacht vor Müdigkeit aus dem Zifferblatt kippt“. Für mich mit eine der schönsten Zeilen, die Heinz jemals geschrieben hat.
„Alles was sie will“ (1989) folgt im Anschluss. Heinz setzt sichtbar freudig Akzente mit der Mandoline. „Mabel“ (1986) als dritte im Bund komplettiert den ersten Zugabenblock.
Kurz verlassen Band und Künstler die Bühne, um dann unter dem „Lola“ Chorus des Publikums wieder zurück zu kehren. Die Band animiert das Publikum mit der Laola Welle. Heinz kündigt an, dass er eigentlich einige Texte über das Gendern machen wollte, es dann aber hat sein lassen, da ja alle wissen, dass er dagegen ist. Sowieso hätte er eigentlich gar kein Recht dazu, da ausgerechnet er 1984 die Genderdebatte mit der VÖ von „Lola“ angestoßen hätte und spielt die ersten Takte auf der Gitarre.
„Lola“ ist der erste Song des zweiten Zugabenblocks. Hier hat Heinz Crew Begleiter eine kurze Einlage. Im Kellner Outfit kommt er auf die Bühne und trägt ein Tablett mit Bier („ich bestellte noch Bier“). Heinz nippt am Glas und bezahlt die Bestellung. „Lola“ endet musikalisch besonders exzessiv, fast möchte man orgiastisch sagen. Die Band spielt wie in einem Rausch. Der Song kulminiert in einem Medley verschiedener Titel von „You really got me“ (Kings) über „Marmor, Stein und Eisen bricht“ (Drafi Deutscher) bis hin zu „Troy“ von den Fantastischen 4 und endet mit Van Morrisons „Gloria“. Der Stammgast kennt diesen Exzess so schon von der letzten Tour. Macht sehr viel Spaß die Nummer.
Mit „Wenn du nicht wiederkommst“ (klassisch präsentiert) aus dem 1991er Album „Brille“ endet der zweite Zugabenblock. Eine letzte Verbeugung der gesamten Mannschaft. Abgang von der Bühne und Wiederkehr zur wirklich allerletzten Zugabe des Abends. Mit „Ich brauch dich jetzt“ (1986) werden die Besucher des intimen „Warm-up“ Konzertes in den Abend entlassen.
Band und Künstler verschwinden gelöst und zufrieden im Backstage. Draußen ist es dunkel geworden. Von den Schiffen im Hafen und der gegenüberliegenden Seite leuchtet es rüber in die „Beach Bay 1“. Selten erlebt man HRK & Verstärkung noch so nah wie an diesem Abend in der Lübecker Bucht. Nach dem ersten Eindruck freue ich mich darauf, die kleinen Spielereien und Feinheiten im Programm zu entdecken, die man beim ersten Mal gar nicht komplett erfassen kann. Ich bin jetzt bereits auf Betriebstemperatur.
Richtig los geht es Anfang Oktober in den großen Hallen des Landes. Die Tour dauert bis Anfang November, führt von Leipzig bis Aurich, umfasst 21. Stationen und bietet 44 Jahre HRK Werkschau.
Zweite Konzerthälfte:
Ca. 1h 35min
After Show
Mit der Autofähre geht es für uns wieder rüber nach Travemünde. Heinz reist mit derselben Fähre heim. Er sieht zufrieden und glücklich aus. Wir, die kleine angereiste Fantruppe fahren zurück in die Unterkunft. Der HRK Klönschnack after show dauert noch länger. Da schläft der Hund unserer Gastgeberin bereits tief und fest, eingerollt im Lesesessel. Das strahlt Ruhe und Behaglichkeit aus. Ich bin müde, nippe am Rotwein und freue mich auf mein beschauliches Zuhause morgen und die vorfreudige Zeitspanne bis zum Tourstart in Leipzig am 09. Oktober.
Die Spannung ist da. Was kommt noch dazu im Set? Welche Inszenierung (Videostories? u.a.) - der dann großen Produktion- hat man sich diesmal ausgedacht!?
Wie es wohl wäre, wenn Heinz „Stein“ ins Set nehmen würde? Seit Jahren schon warte ich darauf, den Song mal wieder live zu hören. Vielleicht als Rausschmeißer im Set der AuN Tour? Wobei er Stein auch sehr gerne mal irgendwann ins Soloprogramm aufnehmen dürfte. Da bin ich nicht kleinlich. So sind sie, meine heimlichen Wünsche. Ich hab sie an den Weihnachtsmann geschickt. Vielleicht gibt’s den ja doch.