{"id":760,"date":"2017-04-18T16:22:36","date_gmt":"2017-04-18T14:22:36","guid":{"rendered":"http:\/\/wunderkinder.de\/?p=760"},"modified":"2017-04-21T21:27:59","modified_gmt":"2017-04-21T19:27:59","slug":"spottlight-55-meisterwerke-im-bunker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wunderkinder.de\/?p=760","title":{"rendered":"Spottlight #55&#8230;&#8230;Meisterwerke im Bunker"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-763 alignleft\" src=\"https:\/\/wunderkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Bunker.jpg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"194\" \/>Ein paar Sachen vorweg. Das Coveralbum hatte mich bekanntlich einigerma\u00dfen verst\u00f6rt, und ich wei\u00df, dass man hier im Wuki-Board von mir keine fr\u00f6hlichen Werbetexte erwartet, sondern Essay-\u00e4hnlichen Klartext.<br \/>\nWer nun aber vermutet, dass ich die Sahneschnitten-Tour (OT Heinz) zum Coveralbum hier durch den Wolf drehe, wird entt\u00e4uscht sein. Denn im Gegensatz zum Album mit Ansage in die Hose gegangenen Album haben wir es hier mit einer megaerfolgreichen Tour zu tun. Die Veranstaltung selbst war sicher nicht mein Wunschprogramm, aber mir geht das Herz auf angesichts der pickepackevollen Hallen mit richtig begeisterten und dankbaren Menschen.<\/p>\n<p>Man muss sich das schon mal vor Augen halten. Heinz war erst im Oktober auf einer Tour in Magdeburg, die dem Album acht Monate hinterherhinkte. Und nicht einmal ein halbes Jahr sp\u00e4ter kehrt er zur\u00fcck und f\u00fcllt die riesige Stadthalle mit einem weiteren Programm,\u00a0 das ohne organische Promotion auskam, weil das dazugeh\u00f6rige Album ja nun mal unter Wahrnehmungsst\u00f6rungen litt. Insgesamt \u00fcber 90% Auslastung in wirklich nicht kleinen H\u00e4usern. Eine Erfolgsgeschichte. Und Grund genug, nun f\u00fcr den Herbst eine Fortsetzung zu pr\u00fcfen, zumal Westdeutschland ja ein ganz kleines bisschen zu kurz gekommen ist.\u00a0 Diese Pr\u00fcfung l\u00e4uft gerade.<\/p>\n<p>Kommen wir zum Konzert selbst. Das Programm ist ja bekannt, weshalb ich mich mit eigenen Beobachtungen besch\u00e4ftige. Zwei Schwerpunkte machen die Veranstaltung f\u00fcr ge\u00fcbte HRK-Konzertg\u00e4nger interessant. Die \"neuen\" Songs aus dem Coveralbum, und die neuen Arrangements auch klassischer HRK-Songs durch das Streicher-Trio, vertreten mit Cello, Bratsche und Violine. Und da w\u00e4re vor allem zu erw\u00e4hnen, dass wir es hier nicht mit einem 08\/15-Rock meets Klassik-Alibikonzept zu tun haben, sondern mit einschneidenden Beitr\u00e4gen, die die Songs wirklich ver\u00e4ndern. \u00dcbrigens nicht alle Songs, weil man Aufwand und vor allem Probenkapazit\u00e4ten dosieren musste. Zu Beginn des zweiten Teils (das Programm hat eine Pause) spielt die Band gleich f\u00fcnf Songs am St\u00fcck ohne das Trio, sodass man sich fragte, ob die in der Pause verlorengegangen sind. Insgesamt sind sie bei gut der H\u00e4lfte der Songs dabei. Dann aber eben auch sehr pr\u00e4gnant.<\/p>\n<p>Bei der Auswahl der Coversongs f\u00fcr die B\u00fchne ahne ich eine Art Kompromiss. Die beiden schr\u00e4gen Vertreter \"Haus der L\u00fcge\" und \"Mussolini\", die in diesem Programm seltsam gewirkt h\u00e4tten (auch wenn ich sie nat\u00fcrlich unbedingt dabeihaben wollte), wurden ausgespart. Daf\u00fcr aber auch die Songs, die f\u00fcr Altfans den Supergau bedeutet h\u00e4tten. Kein \"Junge komm bald wieder\" und vor allem keine M\u00fcnchner Freiheit. Hierzu habe ich mir, auch wenn das nat\u00fcrlich Quatsch ist, eingeredet, Heinz habe mir damit einen pers\u00f6nlichen Gefallen tun wollen.<\/p>\n<p>So ziemlich alle der gespielten Cover-Songs gewinnen deutlich gegen\u00fcber der Studioaufnahmen, was allerdings auch zu erwarten war. Die \"Lachse\" kommen mit Wucht fett und geil daher und werdeb geradezu zum Heinz-Song.\u00a0 Die \u00c4rzte-Nummer wird zur opulenten Pop-Hymne und \"Berlin\" mutiert im Zugabenblock mit umgekleideter Band zum Wave-Festival. Richtig gut gemacht mit einstudierter Choreo und liebevoller Hommage an F.J.Kr\u00fcger.<\/p>\n<p>Opener \"Blumen aus Eis\" fand ich etwas zahnlos, abgesehen davon, dass die fr\u00fchem Karat weit bessere Songs gemacht haben, und die Hosen-Nummer passt meiner Meinung nach einfach nicht zu Heinz und stellt ein Mi\u00dfverst\u00e4ndnis dar. Interessant hingegen das von Heinz einsam, dann mit klassischer Unterst\u00fctzung, vorgetragene \"Was ich dir sagen will\" in tonnenschwerem Moll. Die Akkorde brechen aus dem Klavier wie fallende Ziegelsteine. Nicht ganz meine musikalische DNA, aber sehr eindrucksvoll. Danach , \"Lisa\" in einer kammermusikalischen Version. Gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, aber gro\u00dfartig dargeboten. Und weiter ohne Band \"So wie Du bis\", ungemein untensiv, nackt und gl\u00e4sern.<br \/>\nDanach hei\u00dft es tapfer sein. Die Band kommt zur\u00fcck, Heinz macht eine Ansage die er nicht so meint, und wir bekommen \"Hunderttausend Rosen\" geboten, noch dazu in einer Version, die\u00a0 hinter der aus der \"Gunst der Stunde\"-Tour noch zur\u00fcckbleibt weil das Trio unfreiwillig mit in den Blumentopf ger\u00e4t.<\/p>\n<p>Die meisten Songs, die bereits im Oktober im Set waren, kommen nat\u00fcrlich ohne Neubearbeitung aus, wenn man davon absieht, dass dir Band von einer sechsten \"Geheimwaffe\" (OT-Heinz) unterst\u00fctzt wird, was sich vor allem in Percussion und Rhythmusgitarre auswirkt. Vor allem das gro\u00dfartige \"Schausteller\"-Intro zu \"Mit Leib und Seele\" und \"Die offene See\" geh\u00f6ren dabei zu den Highlights, \"Paradies\" und \"vor allem \"Hallo Himmel\" schienen mir sogar etwas mehr Wall of Sound zu sein, als auf der \"Deutschland\"-Tour.<br \/>\nW\u00e4hrend dem \"Protest\"-Block \"Einmal noch und immer wieder und \"L\u00e4ngere Tage\", erhoben sich dann die ersten Begeisterten\u00a0 und begannen in dem drei meter breiten Zwischenraum und Reihe 1 zu tanzen. Kann man machen, muss man aber nicht. Ungef\u00e4hr ab Mabel erhob sich dann der halbe Saal, als wolle er gegen die Bestuhlung protestieren.<br \/>\nDas Konzept geht voll auch, der zweite Teil, und auch die Zugaben, sind keine Verbeugungen mehr sondern HRK pur. Auch das Trio hat jetzt nur noch wenig Gelegenheit, die besondere Note aus der ersten H\u00e4lfte durchzusetzen, jedenfalls bis zur Schlussnummer. Die ist, wenn auch dreihundertzw\u00f6lf Mal geh\u00f6rt, heute f\u00fcr die Ewigkeit. \"Ich hab\u00b4s versucht\" geht n\u00e4mlich in voller St\u00e4rke \u00fcber die B\u00fchne. Das markante Solo spielt die Viloline und anschlie\u00dfend gibt\u00a0 Jens den Startschuss zu einem brillianten Finale furioso und treibt auch mir, der ich den Abend relativ sachlich verfolgt habe, die Begeisterung in die Glieder, die da unten in dieser riesigen Halle schon lange \u00fcberkocht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-765 alignleft\" src=\"https:\/\/wunderkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Stadthalle-Magdeburg-300x172.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"172\" srcset=\"https:\/\/wunderkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Stadthalle-Magdeburg-300x172.jpg 300w, https:\/\/wunderkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Stadthalle-Magdeburg-768x440.jpg 768w, https:\/\/wunderkinder.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Stadthalle-Magdeburg.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Apropos Halle, ich erwarte von Kalle, der f\u00fcr die Bilder eingeteilt war, dass er diesen Text mit einer Au\u00dfenaufnahme der Halle anreichert. Reichert? Nein, Reichard. Ja, ein Wortspiel. Manu Reichard, Magdeburgerin und h\u00e4ufiger Gast und oft auch Merch- Beauftragte, hatte mir vor Jahren schon mal erkl\u00e4rt, warum sie zwar gern die halbe Tour begleitet, aber auf die Stadthalle ihrer Heimatstadt gern verzichtet (diesmal \u00fcbrigens nicht). Diese Halle, so gross sie ist, und so sch\u00f6n sie direkt an der Elbe gelegen ist, verspr\u00fcht den Charme eines Kriegsbunkers aus dem zweiten Weltkrieg. Auf der Homepage hat man ja eine vergleichsweise schmeichelhafte Ablichtung hinbekommen, aber die Wirklichkeit machte mir Angst.<br \/>\nVon innen \u00fcbrigens wirkte der Bau, als habe er gestern noch einen SED-Parteitag beherbergt. Riesige Vorh\u00e4nge in einer Art missgl\u00fcckten beige-Ton an den W\u00e4nden h\u00fcllen den riesigen Hangar in eine Atmosph\u00e4re, dass man zwangsl\u00e4ufig vergessene Honnecker-Bilder an der Wand sucht. Und die zahllosen von der Decke h\u00e4ngenden Beleuchtungsgebilde sehen aus, als habe man 300 nackte Gl\u00fchbirnen zusammengeklebt.<br \/>\nMerch gabs \u00fcbrigens diesmal gar nicht, nicht mal \"Meisterwerke-CDs. Aber die waren ja in der Tat auch schon im Oktober im Programm.\u00a0 Das wird auch dadurch verst\u00e4ndlich, dass die gebuchten Locations in der Regel inzwischen bemerkenswerte Extra-Mieten aufrufen.<\/p>\n<p>So, ich bin dann wohl durch, wollte aber noch was in eigener Sache sagen. Ach ja, ich bekomme w\u00fctende Mails, weil meine Playlist-Serie im Forum immer so sp\u00e4t dran ist. Diesmal habe ich die M\u00e4rz-Liste im M\u00e4rz gar nicht geschafft und wir haben jetzt Mitte April. Kommt aber noch. F\u00fcr 3 und 4\/17 gibt es eine Doppel-CD-Playlist. Die ist jetzt fast fertig, steht unter dem Motto \"Deutschspachig und besonders\" und mu\u00dfte eben wegen dem erforderlichen Umfang zweitteilig werden, aber zusammen erscheinen.<\/p>\n<p>Bis die Tage, der n\u00e4chste Text enth\u00e4lt dann auch wieder fette Neuigkeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein paar Sachen vorweg. Das Coveralbum hatte mich bekanntlich einigerma\u00dfen verst\u00f6rt, und ich wei\u00df, dass man hier im Wuki-Board von mir keine fr\u00f6hlichen Werbetexte erwartet, sondern Essay-\u00e4hnlichen Klartext. Wer nun aber vermutet, dass ich die Sahneschnitten-Tour (OT Heinz) zum Coveralbum hier durch den Wolf drehe, wird entt\u00e4uscht sein. 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