Spottlight #54 vom 4.9.2016

Das Geheimalbum                                    Gestern_geheim-heute_kulturAcht Monate nach „Deutschland“, und noch vor der dazugehörigen Tour, erscheint am 30. 9. die Platte „Meisterwerke – Verbeugungen“, und niemand soll es wissen. Den Eindruck könnte man zumindest bekommen, weil der Fanclub weder vom Künstler, noch vom Management, und erst recht nicht vom Label den kleinsten Hinweis erhalten hat. Kalle und ich z.B. haben aus dem Forum davon erfahren, wo auch gleich die Verlinkung zu den obligatorischen 30-Sekunden-Schnipseln und zu einem selten dämlichen Pressetext bereitstand.

meisterwerkeUngläubiges Staunen nach Betrachtung der Titelauswahl. Heinz covert 14 Songs, die nicht eben aus der Tiefe kommen, sondern fast ausschließlich bekannte Gassenhauer mit Dauerrotation waren und sind. Die Verbeugung finded statt vor Ideal, DAF und den Neubauten, vor Ärzten und Hosen, aber auch vor Freddy Quinn, Hildegare Knef und Roy Black. Der Supergau ist aber „Solang´ man Träume noch leben kann“ von der Münchener Freiheit, für mich mit das Furchtbarste, was je an Musik produziert wurde.
Nun, natürlich ist das kein Album für die Fans, und die gewohnte Wuki-Berichterstattung im Vorfeld einer neuen Platte hätten wir auch mit entsprechender Ausstattung kaum leisten können, aber den Weg, den dieses seltsame Album von der Geburt der Idee über die Ausgestaltung eines Konzepts bis zur tatsächlichen Produktion genommen hat, hätte ich schon gern nachgezeichnet. Das Ganze ist nämlich ein einziges Rätsel. Das ist einfach nichts stimmig. Es kann sich eigentlich nur um einen Wust von Missverständnissen und Kompromissen handeln.

Vor allem ist für dieses Album weit und breit keine Zielgruppe zu erkennen. Wenn die nicht in München ein riesiges Budget für Promotion aufrufen, was ich nahezu ausschließen würde, kriegt das Ding gar keiner mit. Gut, man kann zwei Songs in die Tour einbauen, und pro Konzert 20 CDs beim Merch verkaufen. Aber die helle Freude wird das auch nicht, wenn man nach einem tollen HRK-Konzert auf der Heimfahrt den Künstler in den Player schiebt, und „Junge komm bald wieder“ singen hört.

Kommen wir zu den Arrangements. Eine seriöse Besprechung kann man anhand von 30-Sek-Auszügen nicht verfassen. Da es sich aber hier um fast ausschließlich hinlänglich bekannte Songs handelt (Ausnahme Caspar), bekommt man schon einen gewissen Eindruck. Die Versionen sind ernsthafter als z.B. bei Heino, vielseitiger als bei Reinhard Mey, und nicht so schräg wie bei Peter Gabriel, auf dessen Coveralbum man einige Songs gar nicht wiedererkennen konnte. Sie sind pragmatisch. Und sie sind distanzierst. Wir hören hier keinesfalls liebevollen Interpretationen, sondern mehr Auftragsarbeiten ohne Handschrift. Ich glaube auch nicht, dass die Verstärkung viel mit diesem Werk zu tun hatte. Vielleicht hat Matthias Ulmer einige Files per Email geschickt, der Pressetext gibt dazu keinerlei Informationen preis.

Schade ist es nur, wie schon beim Duett-Album, bei dem sich Heinz auch von den Münchnern zu etwas überreden ließ was nicht seins war, mal wieder um die schöne Idee. Ein möglicherweise mit Räuberzivil eingespieltes Coveralbum mit echten Verbeugungen vor dann Blumfeld, EoC, Stoppok, Rammstein und sicher auch Künstlern aus der vorliegenden Sammlung. Aber nicht mit Airplay-Hymnen, sondern den wirklichen Perlen. Zugegeben, mehr als 5000 Einheiten wären davon auch nicht zu verkaufen gewesen, aber wir hätten die Höchstwertung gevotet.

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