WACKEN calling

HEINZ auf der Suche nach dem passenden W:O:A Bühnenoutfit

W:O:A  Es begann vor ein paar Jahren mit einem Auftritt von Santiano. Zwar auf einer Nebenbühne, aber Metal-Fans sind konservativ, deshalb sind Tabubrüche riskant. Und Wacken ist das Mekka der Bewegung.

Es kam aber keine nennenswerte Kritik daran, dass man einen Act bucht, der auch schon bei Carmen Nebel dabei war. Die zogen ihr Ding dann auch durch und die Besucher fanden es prima.

Jetzt muss man auch die Historie bewerten. Wacken hat sich vom kleinen Hardrock-Event für Outlaws recht organisch in 20 Jahren zum kommerziellsten und angesagtesten Metal-Festival weltweit entwickelt. Irgendwann um 2010 waren die an einen Punkt gelangt, ab dem man nicht weiter wachsen konnte. 70.000 Tickets war nicht mehr steigerbar, die größten Bands fraßen dem Veranstalter aus der Hand, der Vorverkauf sämtlicher Tickets fürs nächste Jahr ist in 3 Stunden erledigt. Die Bewegung war oben angekommen, höher ging nicht.

Wacken ist kult, aber der Kult stagniert inzwischen. Deshalb die Idee, wenigstens künstlerisch vorsichtig ein wenig Ausbruch aus der heiligen Messe zu wagen. Ein bisschen Entwicklung, ein wenig Farbtupfer in die so ernste Metal-Welt.

Santiano war dabei gar nicht mal der geplante Einstieg, auf die war man just for Fun gekommen, wegen der regionalen Nähe, weil die eben auch mal mit Distrtion spielen, die Refrains nicht immer mit sauber getroffenen Tönen treffen. Und weil sie eine erprobte Live-Truppe sind, mit Musikern die vor Santiano auch schon alles durch hatten.

Nun, das Ding kam an, und die Idee entstand, zwischen all den Metal-Helden, die schon so oft hier waren, plazieren wir doch mal Genre-ferneres, was aber das Zeug zur Wacken-Tauglichkeit haben müsste. Deutschsprachige Mittelalter-Rock-Acts wie In Extremo oder Subway To Sally hatte man ja vor Jahren auch schon erfolgreich integriert. Und dann war es Joachim Witt, der in seiner Gothik-Phase in Wacken spielte, und beim Bier mit dem Veranstalter auf HRK-verwies, als die Rede auf Deutschrock-Bands mit breitem Spektrum und außergewöhnlichen Lyrics kam.

Dreißigtausend Fuß, noch ein letzter Gruß – dann zieh’n die Wolken Lederjacken an, mit Sternen drauf.

In Leipzig glaubte Matthias Winkler zunächst an zu viel Alkohol, als er die Anfrage aus dem hohen Norden bekam, ob der Heinz sich so einen Auftritt vorstellen könnte. Als der Wacken-Booking-Chef konkretisierte, Voraussetzung wäre aber ein heftiges Set, und der Selig-Bassist (Schnitthals, oder wie der heißt…) wäre doch da auch im Boot?, wurde Heinz die Idee vorgetragen. Der dachte auch zuerst, er würde von „Verstehen sie Spaß“ heimgesucht, ließ sich dann aber den Vertrag mit den Bedingungen faxen.

Keine Frage, die Idee ist spannend. Und mit schrägen Ideen kann man Heinz immer locken, zumal er ja auch darin erprobt ist, mal auf die Nase zu fallen.,,

Heinz stellte Songs zusammen, die ein 70-minütiges Set ausfüllen könnten. „Möchtegernopfer“ fiel ihm sofort ein, „Menschenfleisch“ geht auch als Metal durch. „Himmelfahrtskommando“ wäre ein schöner „Opener“, „Draufgänger könnte die Zugabe sein. O.K., wir probieren das. Mit SMS und Mail-Verkehr wurden Ideen zusammengetragen bis schließlich alle, abgesehen von Matthias Ulmer, Feuer und Flamme waren, dieses Set wirklich zu spielen. Ulmer ahnte, dass er hier nicht die gewohnte Präsenz haben würde. HEINZ durchsuchte zwischenzeitlich seinen Fundus auf ein brauchbares Outfit „Dreißigtausend Fuß, noch ein letzter Gruß – dann zieh’n die Wolken Lederjacken an, mit Sternen drauf. Auch wird ein neuer Künstlername kreiert, als HEINZ Ozzy Kunz(e)thammer findet die Rückbesinnung auf die wahre Leidenschaft auch auf den Plakaten statt.

In Wacken prüfte man gewissenhaft und gab dann grünes Licht. Halbherzig kann man das nicht machen, der Metal-Fan will schon ernstgenommen werden, sonst ist er beleidigt. Der Auftritt wurde für den letzten Tag, den 4. August um 15.20 h gesetzt, zwischen Schandmaul und Dimmu Borgir auf der Hauptbühne 2. Und auch wenn es offiziell noch secret ist, wir haben das Set schon. Jedenfalls unter Vorbehalt, denn geprobt wird erst in der Woche vorher.

Himmelfahrtskommando – Schieß – Menschenfleisch –

Die kommen immer wieder – Möchtegernopfer – Die Sprache die sie verstehn

Wozu Feinde – Das perfekte Verbrechen – Jesus Tomahawk – Jetzt erst recht –

Dagegen –

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Nachts um halb Drei – Draufgänger  –

Die Setlist im Detail:   W:O:A-Set

Einige Songs sind ja schon Hardrock, andere muss man etwas anschleifen, die Struktur eignet sich aber prima dafür. Herausfordernd werden vor allem „Die Sprache“ und „JT“ sein, weil sie komplexer gebaut, und langsamer veranlagt sind. Anspruchsvoll wird es auch für Heinz, der oft an die Rythmusgitarre muss, und ein bisschen die Attitüde des verruchten Metal-Shouters geben soll. Hier geht Volumen in der Regel über Ausdruck und Wohlklang. Ulmer wird mehr auf Flächenabdeckung denn auf Virtuosität bedacht sein. Die Anderen werden sich problemlos umstellen. Metal zählt aus künstlerischer Sicht nicht zu den unerreichbarsten Genres.

Bewegte Bilder werden wir wohl nicht bekommen, 3Sat überträgt Abends, plant Aufzeichnungen von Samael und Dirkschneider und zeigt Headliner Judas Priest dann live. Das eine oder andere Handy-Video sollte aber bei youtube auftauchen.

Zugegeben, für den HRK-Fan eine seltsame Buchung. Wahrscheinlich auch nicht gerade die Chance, neue Fans einzusammeln. Aber wenn alles gut geht, wird es mehr Spaß bringen als „Zu Gast bei Carmen Nebel“ zu sein. Und wir werden sehen, dass wir eine möglichst breite Berichterstattung hinbekommen. Und wer es erleben will, es gibt noch Restbestände an All-In-Tickets für 221 Euro.

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