SPOT(T)LIGHT #42 vom 17.1.12 – DER HUNDEPASS –

Bevor ich wie gewohnt loslege, möchte ich an dieser Stelle die verbesserten Arbeitsbedingungen loben und preisen, die unser Webmaster ermöglicht hat. Ulf hat nicht nur eine muckeligere Atmosphäre geschaffen, sondern auch gleich alle alten Texte überarbeitet, die vom Umlautproblem betroffen waren. Ich wage gar nicht zu ahnen, wie mühsam das gewesen sein muss. Ich werde Kalle anweisen, ihm dafür einen Urlaub in (bzw. an) den Baumbergen zu spendieren.

Ich habe diesen Text noch etwas aufgeschoben, weil ich die Talkshow bei Beckmann noch abwarten wollte, und die Sendung zudem mit etwas Abstand bewerten wollte. Als Niedersachse bin ich da in einem besonderen Konflikt, weil Herr Wulff viel zu lange mein Ministerpräsident war, und ich seine diversen Wahlkämpfe und seine bürgerlich-moralische Überlegenheit oft aus der Nähe miterleben musste.
Der Konflikt bestand also darin, dass mir jeder weitere Tag von Christian Wulff im Amt physische Schmerzen bereitet (wie Wulff selbst es mal Richtung Johannes Rau formuliert hatte), ich aber andererseits daran interessiert war, dass Heinz eine gute Figur abgibt. Eine Quadratur des Kreises, da Heinz aufgrund seiner Freundschaft zum Bundespräsidenten zwangsläufig den Mensch (und weniger den Politiker) beurteilt, und ihn gern weiter im Amt sehen möchte.
Günstigerweise veranstaltete Beckmann nicht die typische, Fakten auftürmende Talk Show, sondern lief unter Führung der unsäglichen Bunte-Chefredakteurin Riekel in einen boulevardgetränkten Sumpf, in dem sie sich festlief. Höhepunkt war Frau Riekel´s Einlassung, wie leid es ihr tue, dass Ex-Verteidigungsminister Scharping seinerzeit aufgrund von hochnotpeinlichen Schwimmbad-Fotos auf und in der Bunten sein Amt verlassen musste.

Heinz hatte es also in dieser Runde nicht so schwer, den integeren und bescheidenen Menschen Christian Wulff ins Feld zu führen, und sich trotz seiner Fürsprache ausgesprochen souverän zu zeigen. Auch Beckmann lenkte die Diskussion mehr in Richtung Rolle der Medien, sodass Wulffs diverse Verfilzungen, seine dereinst heftigen hochmoralischen Anforderungen an Andere, und vor allem seine diversen unwahren Einlassungen gar nicht auf den Tisch kamen.
Gut gelöst also, wenn man auch feststellen muss, das Frau Illner, die zeitgleich im ZDF zum gleichen Thema eine Faktenschlacht mit Besetzung Peter Hinze gegen den Rest der Welt, die besseren Quoten hatte.
Trotzdem darf ich noch meine Privatmeinung ergänzen, dass die bedeutenste Frage in dieser Sache nicht die ist, ob Herr Wulff abtritt, sondern wann. So lange konnte die SL-VÖ aber nicht warten.

Kommen wir zu erfreulicheren Themen. Aus der Wedemarker Festung drangen ein paar vorsichtige neue Infos zur Räuberzivil-Produktion, die man als hocherfreulich werten darf. Die Arbeiten sind planmäßig verlaufen und das Doppelalbum ist gesichert. Die Begeisterung der Akteure, insbesondere dem Chef, ist kaum in Worte zu fassen, und meine Neugier kaum zu beherrschen. Eine Anekdote darf ich vermelden. Heinz begleitete Heiner an einem freien Tag während der Aufnahmen zum bevorzugten Instrumentendealer, weil dieser nach einer neuen Gitarre schauen wollte, aber nichts fand. Heinz hingegen verliebte sich spontan in ein Banjo, ließ es sich sogleich einpacken, schrieb am gleichen Tag daheim den Text “Ein Wirtshaus voller Probleme”, und träumte in der darauffolgenden Nacht die Musik dazu. Am nächsten Morgen wurde das Ganze mit dem neuen Instrument per Cassettenrecorder verewigt, und tags darauf im Studio vorgeführt. Der Song wird auf dem Album sein. Drei weitere neue Songs hat unser Kalle, wie in seinem gestrigen Text (der direkt unter diesem steht, weil ich ihn zwangsläufig runtergeschubst habe) zu erfahren, bereits in der Duoversion mit Jan Drees hörten können. Darunter auch die deutsche Version des Lennon-Klassikers „Working Class Hero“, den ich ja im letzten November in Brelingen auch schon genießen konnte.

Wer die meist absurden Titel dieser Kolumne noch nicht kennt, könnte nun zu der Frage gelangen, wieso dieser Text, der sich nun schon wieder dem Ende nährt, diese seltsame Überschrift trägt. Nun, das wird eine weitere Anekdote aus dem letzten November. Nach der Lesung in Chemnitz ersuchte ein älteres Ehepaar Heinz während der Signierstunde, einen Hundepass zu unterschreiben. Heinz versicherte sich ob er richtig verstanden hätte, weil ihm eine solche Bitte erstmals unterkam. Und die Leute erklärten ihm, sie hätten ihren Riesenschnauzer Heinz Rudolf genannt.

Wenn nichts Aufregendes passiert, habe ich bis zum nächsten Text 5 Wochen Zeit. Dann steht das Duett-Album. Vorgestellt wird es wie erwartet im ZDF bei Frau Nebel, unterstützt von Pe Werner.
Kurz darauf steht der erste Komplettauftritt des Räuberzivil-Quartetts mit neuem Programm in Bad Driburg an. Das sollte dann aber schon das übernächste SL sein. Bis denne…

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